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Redeangst überwinden

Zähmen Sie die Ameisen in Ihrem Bauch

In meiner Arbeit als Präsentationstrainerin und Vortragscoach komme ich häufig mit leichteren und ausgeprägteren Formen der Redeangst in Berührung. Lassen Sie uns heute einmal schauen, was genau das ist und wie wir damit erfolgreich umgehen können.

In der 1977 veröffentlichten „the book of lists“ wird die Redeangst in einer Reihe genannt Ängsten vor Tod, Krankheit, Einsamkeit und Dunkelheit genannt S. auch S. Berkun, Bekenntnisse eines Redners). Ist das nicht erstaunlich? Während es sich bei den anderen Punkten ganz eindeutig um Themen handelt, die für den Menschen meist wirklich nicht so harmlos sind, ist nach meiner Information noch kaum jemand während einer Rede oder Präsentation tatsächlich umgekommen. Woher rührt also diese Angst?

Das Reptilienhirn schlägt Alarm

Das liegt daran: bestimmte Teile unseres Gehirns haben sich  seit der Steinzeit kaum verändert. In Stresssituationen sind sie es, die die „Leitung“ im Oberstübchen übernehmen, oft zu unserem Vorteil, jedoch nicht immer.

Wenn wir also mit den weichen, verletzlichen Teilen unseres Körpers (Bauch, Gesicht usw) unbewaffnet vor einer großen Gruppe von Menschen stehen, löst das in uns noch weitgehend das selbe Gefühl wie das des Urmenschen aus, der schutzlos im weiten Feld vor eine Gruppe von Säbelzahntigern steht. Und ja: das ist nicht wirklich angenehm. Stresshormone werden ausgeschüttet, Fluchtimpuls entstehen.

Ein häufiger Satz meiner Seminarteilnehmer zu Beginn ist: „Wann immer eine Präsentation ansteht, versuche ich, mich irgendwie darum zu drücken“.…

Doch dadurch wird es eher schlimmer- Was also tun?

Der Ausweg: Embrace your enemy

Wie können wir also mit dieser, für viele Menschen zumindest leicht spürbaren Redeangst umgehen und sogar noch von ihr profitieren? Das ist im Prinzip ganz einfach. Wie viele andere Ängste in der Verhaltenstherapie mit Konfrontation des Auslösers aufgelöst und/ oder gemildert werden, so stimmt diese Strategie auch in unserem Fall.

Wie ist das zu verstehen? Wenn ich zum Beispiel Angst habe, Fahrstuhl zu fahren, dann nähere ich mich dem Fahrstuhl, und dadurch wird die Angst spürbar, ausgehalten, und verschwindet schließlich.

Ich nähere mich weiter Schrittchen für Schrittchen, bis ich schließlich in der Lage bin, eine Etage zu fahren, und darauf kann ich dann aufbauen.

Ganz genau so in unserem Kontext: das einzige, was man tun muss, um die Redeangst zu überwinden, ist REDEN. Öffentlich auftreten, öffentlich sprechen, präsentieren, sich zeigen. Suchen Sie also von nun an so oft Sie können Situationen in denen Sie sich exponieren können und müssen.

Lernen Sie zunächst, das auszuhalten, und lernen Sie dann, es zu genießen.

In kleinen Schritten Erfolge feiern – auf dem Weg zum Präsentationsprofi

Das heißt Tipp Nummer eins in Zukunft, wann immer sie können, suchen Sie Situation in denen Sie Präsentieren, reden, frei sprechen müssen.

Und gehen Sie ruhig kleine Schritte sie müssen nicht sofort in eine Karaoke Bar gehen und 8 Stücke hintereinander laut singen- obwohl das sehr befreiend sein kann – es reicht vielleicht, wenn Sie bei einem Meeting, Clubtreffen, Netzwerktreffen, Elternabend oder ähnlichem das Wort zu ergreifen für einen längeren Beitrag, den Sie sich vorher möglichst genau überlegt haben sollten, damit Sie nicht auch noch mit dem Inhalt zu tun haben, sondern nur mit dem sich exponieren an sich.

Sie können auch mit Freunden Powerpoint Karaoke machen, das heißt präsentieren zu Charts, die sie noch nie gesehen haben, jeder bringt etwas mit- das macht Spaß und trainiert ungemein. Und prügeln Sie sich auch ruhig vor der nächsten Geburtstagseinladung bei einem guten Freund darum, eine Rede zu halten.

suchen Sie so viele Auftrittsmöglichkeiten wie möglich.

Und diese Kribbeln im Bauch von dem viele Teilnehmer sich wünschen ich würde es irgendwie wegmachen oder wegzaubern, das ist die Energie, das ist die Kraft, die uns trägt, das heißt lernen Sie jetzt, diese Kribbeln zu lieben und diese Energie zu nutzen, daraus Ihre Präsenz zu schöpfen.

Zähmen Sie die Ameisen in Ihrem Bauch – und finden Sie Gefallen an dem Kribbeln!

Interessant ist übrigens dass die meisten Seminarteilnehmer glauben, Sie wären mit dieser Redeangst in der Minderheit Tatsache ist jedoch, dass die meisten Menschen sich nicht darum reißen, vor einer Gruppe von Leuten die sie noch nie gesehen haben öffentlich laut zu sprechen, eine Meinung zu vertreten, sich zu exponieren.

Sie sind in der Mehrheit, dass nur zu Ihrer Beruhigung. Es gibt keinen Grund, sich deswegen komisch zu fühlen- und doch- gehen Sie es an. Seien Sie sicher, Sie werden daran wachsen! Auch als Persönlichkeit. Denn Präsenz und der Mut zur Einflussnahme bringt oft Anerkennung und neue Wirkungsmöglichkeiten.

Vielleicht haben Sie Lust, das so ganz nebenbei auch noch einmal auditiv als Podcast sich zu Gemüte zu führen… viel Spaß dabei!

 

Gehaltvolle Plauderei

Die große Kunst des „kleinen Gesprächs“: Was Sie MIT Small Talk Gewinnen

Small Talk ist kein belangloses Plaudern übers Wetter – oder muss es zumindest nicht sein. Wenn Sie sich in der Kunst des Small Talks üben, lernen Sie etwas, dass Sie im Berufsleben deutlich nach vorne bringen kann. Das Gute daran: Die Fähigkeit zum Small Talken zu erwerben, ist ganz einfach. Sie müssen sich dabei nicht (über-)anstrengen, keine schwierigen Formeln lernen oder wochenlang Seminare besuchen. Und es ist lustig. Was gibt es Besseres, als Spaß zu haben und dabei gleichzeitig etwas zu lernen, das Sie weiterbringt?

Für Selbstständige, Unternehmer*innen und Freelancer gehört es zum täglich Brot, Kontakte zu knüpfen. Ein gut geführter Small Talk kann ihnen dabei größere Dienste leisten, als den meisten bewusst ist. Aber auch für Arbeitnehmer vom Azubi bis in die Chefetage ist dieses wunderbare Softskill absolut bereichernd.

Für eine gute Atmosphäre: Plaudern als Einstieg ins Job-Interview

Ihre Fähigkeiten zu plaudern, sind meist schon im Vorstellungsgespräch gefragt: Jeder selbst einigermaßen kommunikativ gewiefte Arbeitgeber lässt zu Beginn ein paar Minuten Zeit für Small Talk, um eine gute Atmosphäre entstehen zu lassen. Er stellt zum Einstieg zum Beispiel folgende Fragen:

  • Wie war die Anreise?
  • Haben Sie uns gut gefunden?
  • Wie geht es Ihnen?

Aus meinen Bewerbungstrainings weiß ich: Nicht selten machen Jobkandidaten daraufhin ein verschrecktes Gesicht – nach dem Motto: „Was will der denn jetzt von mir?“ Doch damit ist eine wichtige Chance verspielt, sich selbst kommunikativ, sympathisch, aufgeschlossen, interessiert, teamfähig und optimistisch zu zeigen – Fähigkeiten, die von Bewerbern oft gefordert werden.

Für einen guten Kontakt: Small Talk als Mittel der Beziehungspflege

Innerhalb der Firma dient der Small Talk ebenfalls dazu, diese Eigenschaften locker „nebenbei“ zu präsentieren. Er ist außerdem ein Mittel der Beziehungspflege. Diese sollten Sie übrigens unbedingt kontinuierlich über einen längeren Zeitraum zu betreiben. Wer erst kurz vor den Gehaltsverhandlungen damit beginnt, dem Chef ein Kompliment nach dem anderen zu machen und ihn in Gespräche über das Wetter, Fußball und seine Vorliebe für italienische Weine zu verwickeln, wird schnell als Opportunist oder gar Schleimer entlarvt.

Für erfolgreiches Small Talken: Lassen Sie sich ihre Absicht nicht anmerken

Mehr noch- sein Sie absichtslos im Moment der Begegnung. Um mit dem Small Talk zu erreichen, was Sie WOLLEN, müssen Sie – und das scheint paradox – fähig sein zu vergessen, was Sie damit wirklich möchten. Denn an dem, was Dale Carnegie in seinem Buch „Wie man Freunde gewinnt – Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ sagt, ist etwas dran: Wer fähig sei, mit Menschen Kontakte zu knüpfen und gute Beziehungen aufzubauen, brauche sich nie wieder Gedanken über seinen Kontostand zu machen.

Wem das aber als Motiv seiner Gesprächsaktivitäten anzumerken ist, der wird beim Small Talken keinen Erfolg haben. Wem beim Netzwerktreffen, auf der Weihnachtsfeier oder bei einem Event ins Gesicht geschrieben steht, dass es ihm bei den lockeren Gesprächen hauptsächlich um eigene Interessen geht, auf den trifft Goethes Sprichwort zu: „Man spürt die Absicht – und man ist verstimmt.“

Machen Sie sich deshalb bitte bewusst: Das Schlüsselwort heißt „Interesse“. Das Interesse an Menschen ist für jeden von uns von großer Bedeutung. Wir können viel von anderen lernen, von Ihren Strategien, davon, wie sie Dinge meistern, und von Ihrem Wissen und Erfahrungsschatz. Es lohnt sich also, Ihr Interesse an Menschen zu kultivieren!

Für Sie persönlich: Small Talk kann auch Ihr Privatleben bereichern

Zusammenfassend gesagt, brauchen Sie den Small Talk für das Berufsleben. Abgesehen davon wird diese Fähigkeit Ihr Leben insgesamt enorm bereichern. Es kann zum Beispiel dazu kommen, dass Sie – Small Talk sei Dank – im privaten Bereich spannende Erlebnisse haben werden:

  • Sie erfahren von einer tollen Wohnung, die demnächst frei wird
  • Sie bekommen einen Geheimtipp für die nächste Urlaubsreise
  • Sie erfahren, wer der beste Weinhändler der Stadt ist
  • und, und, und

Glauben Sie mir: Derlei kann durchaus passieren, und ich denke nicht, dass jemand etwas dagegen hat. 🙂

Wenn das gekonnte Plaudern so eine „Wundermittel“ ist, warum tun wir es dann nicht häufiger? Warum betreten in Deutschland so viele Menschen schweigend ein Wartezimmer, drücken sich auf einem Stuhl herum und vergraben sich in einer Zeitschrift, bis sie dran sind statt ein anregendes Gespräch zu führen – natürlich vorausgesetzt, sie leiden nicht an starken Schmerzen?

Für jede Gelegenheit: Nutzen Sie auch Wartezeiten und Fahrtstuhlfahrten!

Warum stehen wir wortlos im Fahrstuhl, während Menschen zusteigen, mit denen Sie ins Plaudern kommen könnten? Wieso stehen Sie stocksteif da, wenn Ihr Vorgesetzter den Aufzug betritt, und warten schweigend, bis die Fahrt vorbei ist, statt ein locker-leichtes Gespräch mit ihm zu führen? Zum Teil ist das sicher aus Gewohnheit der Fall – oder aus Angst, nicht „richtig smalltalken“ zu können. Vielleicht befürchten Sie, an Menschen zu geraten, die sich nicht auf ein Gespräch mit Ihnen einlassen wollen. Und wissen Sie was? Genau das wird passieren – allerdings nur hin und wieder. Ist das ein Grund, das Thema Small Talk ein für alle Mal abzuhaken? Auf keinen Fall!

Denn die Mehrheit dieser Gespräche wird angenehm sein. Und die Kontakte, die daraus entstehen, können Sie in vielfältiger Weise bereichern, so dass Sie auf jeden Fall dranbleiben sollten. Mein Tipp: Nehmen Sie es sportlich-leicht, machen Sie keinen Kampfsport aus dem Small Talk!

Für den richtigen Zeitpunkt: Small Talk passt nicht immer

Es gibt Fälle, in denen sich Small Talk „verbietet“, zum Beispiel wenn Ihr Gegenüber ganz offensichtlich unter Zeitdruck steht, Zahnschmerzen hat oder von einer Trauerfeier zu kommen scheint. Diese Signale heißen eindeutig: Jetzt nicht! Um zu erkennen, ob jemand bereit ist für eine Begegnung, achten Sie auf die Körpersprache Ihres anvisierten „Opfers“. Und keine Sorge: Es wird immer genug Menschen geben, die zu einem Gespräch bereit sind.

Zum Schluss noch ein Hinweis für die Praxis des Small Talkens: Solange Sie nicht das Gefühl von Sicherheit und Geläufigkeit haben, trainieren Sie das Plaudern in Zusammenhängen, in denen es nicht darauf ankommt – etwa

  • beim Einkaufen
  • im Wartezimmer
  • in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • beim Friseur
  • auf Reisen
  • vor einem Vortrag
  • auf Partys und Events
  • in Wartesituationen

Denn wie für alle Kommunikationsthemen gilt auch für den Small Talk: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Deshalb werden Sie in meinen Ein-Tages-Kursen zum „Business Small Talk“  auch eine ganze Menge Gelegenheit zum Üben bekommen.

Ganz viel Spaß und gute Gespräche wünsche ich Ihnen!

Präsentieren: Finden Sie Ihren eigenen Stil!

Vor ein Publikum zu treten und eine Rede zu halten, ist für viele wie ein Sprung ins kalte Wasser: Ihnen graut davor. Aber mal ehrlich: Wenn Sie sich erst einmal überwunden haben und losgeschwommen sind, macht es Ihnen Spaß, sich im Wasser zu bewegen – stimmt´s? So ist es auch beim Präsentieren: Gehen Sie es an! Stellen Sie sich ab jetzt möglichst vielen Redesituationen. Sie werden merken, wie schnell es für Sie leichter wird, einen Vortrag zu halten. Denn der Erfolg kommt mit dem Training – nur durchs Üben werden Sie zu einem guten Redner.

Überzeugend vortragen – Sie müssen üben, üben und nochmal üben!

Scott Berkun ist der Autor des überaus witzigen Buches „Bekenntnisse eines Redners“, meinem Lieblingswerk zum Thema „Präsentieren“. Schon im Vorwort gibt er dem Leser den im Grunde wichtigsten Tipp. Dort heißt es nämlich: „Danke, dass Sie dieses Buch gekauft haben, aber es wird Ihnen nicht das Geringste bringen, wenn Sie nicht üben.“ Ich liebe Berkuns Ehrlichkeit, und es stimmt einfach: Präsentieren lernt man nur durchs Machen! Auch meine drei wichtigsten Tipps für überzeugende Vorträge sind daher: Üben, üben, üben.

Nur Übung macht den Vortrags-Meister

Bleiben wir noch kurz bei Berkun. Zu dem Punkt „Warum Ihre Rede schlecht sein kann“ sagt er schlicht: Weil Sie sie zum ersten Mal halten. Berkun empfiehlt daher allen, die ans Rednerpult treten wollen oder müssen: Üben Sie Ihre Rede! Üben Sie sie oft und so realistisch wie möglich. Einen anderen Weg gibt es nicht. Das finde ich auch. Deshalb mache ich in meinen Seminaren zum Thema „Präsentation“ mit den Teilnehmern viele Übungen. Das ist selbstverständlich auch in Einzelcoachings der Fall.

Wann ist ein Redner ein Spitzen-Redner?

Was macht einen guten Redner eigentlich aus? DIE eine Eigenschaft, die Sie zum brillanten Vortrags-Meister macht, gibt es nicht: Ob jemand überzeugend, fesselnd oder inspirierend „rüberkommt“, hängt von Person, Anlass, Publikum, Inhalt und vielen weiteren Faktoren ab. Es gibt sehr gute, leise, ruhige Redner und ebenso polternd laute, die ihre Zuhörer auf eine ganz andere Art in den Bann ziehen. Pauschal lässt sich zum Präsentieren eigentlich nur sagen: Whatever works and whatever fits the situation.

Lieben Sie Ihr Publikum – Grundlagen für gutes Vortragen

Dennoch gibt es natürlich ein paar Grundlagen, die Ihnen das Vortragen leichter machen. Diese drei Dinge sind beim Präsentieren zum Beispiel unabdingbar:

  • Seien Sie überzeugt von dem, was Sie sagen!
  • Lieben Sie es, aufzutreten!
  • Haben Sie Ihr Publikum gern!

Alles andere ist meiner Erfahrung nach nicht so wichtig, wenn Ihre Grundhaltung stimmt.

Tipps gibt es viele – finden Sie heraus, was zu Ihrem Stil passt!

„Haben Sie noch einen Tipp für mich?“ Das werde ich nach den Trainings oft gefragt. Tipps kann ich natürlich viele geben – aber die sind keine Garantie, dass Sie bei Ihnen funktionieren: Jeder Redner braucht seinen eigenen Stil. Den können Sie sich nur selbst erarbeiten. Vielleicht hilft Ihnen das Merkelsche Fingerdreieck (im Fachjargon „Eisbrecher“ genannt) oder die Vorstellung, das Publikum sei nackt – vielleicht auch nicht.

Die Zehen einklemmen und das wandernde W

Ich habe auch den Hinweis schon gehört, bei Nervosität die Zehen in den Schuhen einzuklemmen. Ich persönlich bekomme davon einen Krampf. Aber wenn es Ihnen Sicherheit gibt: Klemmen Sie! Das gilt auch für den Vorschlag, den Blick im Publikum wie ein W wandern zu lassen. Bei mir würde das zu einem spontanen Blackout führen oder mindestens dazu, dass ich Publikum nicht mehr wahrnehme. Doch für Sie kann es die passende Methode sein. Probieren Sie das aus!

Kamera an! Holen Sie sich Feedback

Was im Detail zu Ihnen passt und Ihnen als Redner liegt, finden Sie am besten mit einer Videokamera und Feedback von außen heraus. Einen Vortrag vorm Spiegel einzustudieren, halte ich dagegen nicht für sinnvoll. Das ist aber ein anderes Thema. Dabei geht es um assoziierte und dissoziierte Sichtweisen – dazu ein andermal mehr. Was können Sie sonst noch für Ihren gelungen Vortrag tun? Kommen wir zu Regel Nummer Eins zurück: Üben Sie – und zwar:

  • Inhalt
    Sie müssen genau wissen, was Sie sagen, damit den Kopf frei haben, um Kontakt mit dem Publikum aufnehmen zu können.
  • Interaktion mit dem Publikum
    Beherrschen Sie den Inhalt sicher, eröffnet Ihnen das gedankliche Freiräume, zum Beispiel um Blickkontakt mit den Zuhörern aufzunehmen, dem Publikum Fragen zu stellen oder Personen im Publikum direkt anzusprechen.
  • Art des Vortrags
    Der Inhalt zählt, aber auch wie Sie ihn „rüberbringen“. Üben Sie das richtige Sprechtempo, die Dynamik und die Stellen ihrer Rede, die sich für Pausen eignen. Experimentieren Sie herum! Speziell hierfür eignet sich ein Videocoaching. Sie können sich natürlich auch selbst mit der Kamera filmen.

Rufen, rappen, mit Dialekt sprechen

Speziell wenn Sie ein eher zurückhaltender, introvertierter oder schüchterner Mensch sind, sind folgende Techniken spannend für Sie, um „aus Ihrer Haut“ zu kommen: Übertreiben Sie beim Üben ruhig ein wenig! Spielen Sie zum Beispiel mit der Lautstärke und sprechen nicht nur leise, sondern auch richtig laut. Probieren Sie auch Dialekte aus: Wie klingen Sie auf bayerisch oder als hanseatisches Nordlicht? Rappen Sie den Text. All das wird Ihnen helfen, lockerer zu werden. Nicht nur das, Sie werden so vertraut mit Ihrem Text, das Sie ihn wirklich gestalten können. Und zu guter Letzt: Gehen Sie es an! Denn der erste Schritt ist bei diesem Thema der Schwerste. Danach wird alles leichter.

Kommunikationstraining: Perspektivwechsel bei Problemen

Wie Sie Partner, Kollegen und den Chef besser verstehen können

Bei Kommunikationsproblemen lasse ich mich von folgendem Satz inspirieren: „Die Landkarte ist nicht das Gebiet.“ Jeder von uns sieht die Dinge anders, auf seine Weise. Oft reden wir aus genau diesem Grund völlig aneinander vorbei: Jeder setzt seine Sichtweise voraus und nimmt an, das Gegenüber hätte dasselbe Verständnis vom Thema. Das führt zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten. Das muss nicht sein. Miteinander zu sprechen lässt sich durch Wahrnehmungs- und Verhaltensübungen trainieren – zum Beispiel in meinen offenen Kursen und Firmenseminaren zum Thema „Kommunikationstraining“ (VHS Berlin): Schon einfache Veränderungen in Ihrem Verhalten führen zu gelingender Kommunikation mit Ihrem Chef, den Kollegen, mit Freunden, Familie oder Partner. Sie finden Lösungen statt Ihre Meinungsverschiedenheiten zu manifestieren.

Probieren Sie es aus: Lassen Sie sich ein und dasselbe Land von verschiedenen Menschen beschreiben. Wie viele Sichtweisen bekommen Sie? Richtig: Viele. Der eine sagt vielleicht: „Italien ist teuer.“ Der andere: „Italien ist schön.“ Ein Dritter ist der Meinung: „Italien ist zu heiß.“ Ein Vierter findet womöglich: „Italien ist romantisch.“ Jeder verbindet etwas anderes mit dem Land. Diese Überzeugung schwingt auch unausgesprochen mit, wenn sich diese Vier über Italien unterhalten. Sie könnten sich deshalb gründlich missverstehen. Denn wenn wir miteinander reden, nehmen wir automatisch an, dass der andere das Thema genauso sehen sollte – oder sogar so sehen muss – wie wir selbst. Deshalb rangeln wir verbal oft fruchtlos um Sichtweisen, ohne einander auch nur einen Millimeter näher zu kommen.

Seien Sie großzügig – und wechseln sie die Perspektive

Wie können wir solche Missverständnisse vermeiden und besser miteinander umgehen? Eines der großen Geheimnisse guter zwischenmenschlicher Kommunikation ist für mich Großzügigkeit: Lassen Sie den Anderen sein, wie er ist und lassen Sie andere Sichtweisen zu! Noch wirksamer ist es, die Perspektive des Anderen anzunehmen. Nur für einen Moment. Haben Sie keine Angst vor diesem Perspektivwechsel: Wir behalten unsere eigene Meinung ohnehin und müssen sie deshalb nicht ängstlich verteidigen.

Als Beispiel: Jemand spielt gern Golf – das ist ein Sport, der mich bisher nie interessiert hat. Nun könnte ich bei meinem Standpunkt bleiben und sagen: „Sorry, ich finde Golf uninteressant, lassen Sie mich damit in Ruhe“. Oder ich lasse mich darauf ein, die Welt für einen Moment mit den Augen des Anderen zu sehen. Ich entdecke auf diese Weise neue Seiten, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich dafür etwas bekomme: eine kleine Bereicherung, einen neuen Blickwinkel.

Der Stoff, aus dem der Kleinkrieg ist: Mein Standpunkt ist der beste!

Diese Chance lassen wir uns leider oft entgehen. Statt uns auf Abenteuer dieser Art einzulassen, bleiben wir an unseren Standpunkten kleben und wünschen uns, die anderen würden sie annehmen. Tausend Kriege und Konflikte laufen nach diesem Schema ab – ebenso wie der tägliche Kleinkrieg im Beruf und im Privatleben.

Kennen Sie diesen Sketch von Loriot? Ein schönes Beispiel für weniger gute Kommunikation:

Berta: „Hermann?“
Hermann: „Ja?“
Berta: „Was machst du da?“
Hermann: „Nichts!“
Berta: „Nichts? Wieso nichts?“
Hermann: „Ich mache nichts!“
Berta: „Gar nichts?“
Hermann: „Nein.“
Berta: „Überhaupt nichts?“
Hermann: „Nein, ich sitze hier!“

Berta: „Es könnte ja nicht schaden, wenn du mal etwas spazieren gingest!“
Hermann: „Nein, nein.“
Berta: „Ich bringe dir deinen Mantel!“
Hermann: „Nein, danke.“
Berta: „Aber es ist zu kalt ohne Mantel!“
Hermann: „Ich gehe ja nicht spazieren.“
Berta: „Aber eben wolltest du doch noch!“

Diese völlig misslungene Kommunikation wird von Loriot, dem Meister der Beobachtung unserer Verhaltensweisen, genial überspitzt dargestellt. Daraus können wir auf charmante Weise einiges lernen. Denn eigentlich könnte Berta, die geschäftige Gattin, etwas tun, das ihr Spaß macht statt ihren Mann, der „einfach nur sitzen“ will, mit ungebetenen Ratschlägen zu nerven. Oder aber, wenn sie mit ihm Zeit verbringen will, seine Perspektive, seine Haltung, seinen Standpunkt einnehmen – das hieße zum Biespiel, sich so hinzusetzen wie er, ihm aktiv zuzuhören und ein Gefühl für seine Bedürfnisse zu entwickeln.

Sie können die Anderen nicht verändern – das müssen Sie auch nicht!

Manchmal kommen Menschen zu einem Coaching, die sagen: „Ich bin unzufrieden, weil mein Arbeitskollege mich nicht versteht, weil meine Chef mich nicht anerkennt, weil meine Kinder sich nicht so verhalten, wie ich es brauche. Ändern Sie das!“ Ein guter Coach muss sie dann leider enttäuschen, denn das geht nicht. Die schlechte Nachricht ist nämlich: Sie können die Anderen nicht verändern. Die gute Neuigkeit: Das ist gar nicht nötig. Denn wenn wir uns selbst verändern, ändert sich fast immer auch die Reaktion unserer Umwelt.

Üben Sie daher den Perspektivwechsel: Wenn Ihnen das nächste Mal jemand begegnet, der über etwas spricht, das Sie „nicht die Bohne“ interessiert, lassen Sie sich auf das Experiment ein, die Welt voll und ganz mit den Augen, Ohren, dem Gefühl, Geruchsinn und Geschmacksinn Ihres Gegenübers zu erleben!

So löst sich Ärger ganz leicht in Luft auf

Mehr noch: Denken Sie an eine Person, mit der Sie Schwierigkeiten haben. Sehen Sie diese Person so genau wie möglich vor Ihrem inneren Auge. Versetzen Sie sich dann so gut es geht in Ihr Gegenüber hinein: in seine Körperhaltung, seine Mimik, seine Art zu sprechen und sich zu bewegen, seine Wortwahl, seine Gesten. Versuchen Sie, seine Gefühle zu fühlen, seine Gedanken zu denken. Und dann fragen Sie sich: Wie will ich dieser Person von jetzt an begegnen? Sie werden mit ein wenig Übung sehen: Manch zorniger Gedanke löst sich allein durch das Einnehmen der Perspektive des Anderen in Luft auf!

Alles neu …

… macht der Mai.

 

Meine neue Website ist seit heute online.

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